Skip to main content

Sanierung und Umnutzung eines denkmalgeschützten Villenensembles — Hamburg-Blankenese

Projekt: 22-71 SVE

Standort: Hamburg-Blankenese, Elbchaussee

Leistungen: Tragwerksplanung LP2–LP4, Bestandsdigitalisierung (BIM), Bauphysik

Architekt: jung bauatelier gmbH

Tragwerksplaner: CN Europlan GmbH

Ausführung: Willi Schüütt KG Bauunternehmung GmbH

Ein historisches Anwesen in Hamburg-Blankenese umfasst drei Gebäude — das Haupthaus, das Kutscherhaus und das Remisengébäude — errichtet 1856 in einer Kombination aus massivem Mauerwerk und Holzrahmenbaukonstruktion. Das Ensemble steht seit 1995 unter Denkmalschutz. Das Sanierungsprogramm nutzte alle drei Gebäude um und modernisierte sie, unter Erhalt ihres denkmalgeschützten Charakters und innerhalb der Grenzen des Denkmalschutzes.

Die Tragwerksbewertung der 170 Jahre alten Gebäude erforderte die Nachrechnung vorhandener Holzbalkendecken und Holzbinderwerke — Tragelemente, deren ursprüngliche Abmessungen, Holzart und Zustand durch Bestandsaufnahme statt durch Dokumentation ermittelt wurden. Ertüchtigungsbedürftige Balken und Binder wurden mit denkmalverträglichen Verstärkungsmaßnahmen geplant.

Als Voraussetzung für Tragwerks- und Architekturplanung wurde das gesamte Ensemble vollständig als BIM-Modell digitalisiert — der Ist-Zustand aller drei Gebäude dreidimensional erfasst, mit tragwerksseitig für LP4 ausreichend detaillierten Elementen. Konstruktionsänderungen wurden bauabschnittsweise im Modell abgebildet und liefern ein klares Protokoll über Art und Zeitpunkt der Eingriffe.

Der bauphysikalische Leistungsumfang umfasste Energieberechnungen nach GEG (Gebäudeenergiegesetz) und adressierte die Herausforderung, den Wärmeschutz in einem denkmalgeschützten Gebäude zu verbessern, bei dem Dämmmöglichkeiten durch Denkmalschutzauflagen beschränkt sind.

Kernaussagen

  • BIM-gestützte Bestandsaufnahme und Planung für ein Gebäude des 19. Jahrhunderts: Die Erstellung eines BIM-Modells aus einer Struktur von 1856 — ohne Originalpläne, mit jedem Maß als Messgröße — ist eine technisch anspruchsvolle Aufnahmeaufgabe. Das resultierende Modell liefert die geometrische Grundlage für alle nachfolgende Tragwerks- und Architekturplanung und eliminiert die Maßunklarheiten, die bei Denkmalprojekten Nachträge erzeugen.
  • Tragwerksbewertung und Ertüchtigung historischen Holzes: Holzbalkendecken und Dachbinder in 170 Jahre alten Gebäuden können nicht ohne weiteres als normkonform angesehen werden. Die Bewertung durch CN Europlan ermittelte die tatsächliche Tragfähigkeit, identifizierte ertüchtigungsbedürftige Elemente und entwarf denkmalverträgliche Eingriffe.
  • Denkmalgerechte Bauphysik: GEG-Konformität in einem Denkmal erfordert Lösungen, die die energetische Performance verbessern, ohne die Substanz zu zerstören, die das Gebäude für die Denkmalliste qualifiziert. Der bauphysikalische Leistungsumfang adressierte diese Anforderung explizit.
  • Dreigebäude-Koordination im Rahmen einer phasenweisen Umnutzung: Digitalisierung, Tragwerksbewertung und Planung wurden koordiniert über alle drei Gebäude des Ensembles — die tragwerks- und denkmalschutzrechtliche Logik des Ganzen ist komplexer als jedes einzelne Gebäude für sich.