Tragwerksumbau und Erweiterung eines Reihenhauses der 1960er-Jahre — Wedel



Projekt: DE22-083 KOW | Standort: Wedel, Königsbergstrasse 130 | BGF: 250 m² Leistungen: Tragwerksplanung LP1–LP5, Bauphysik Architekt: jung bauatelier gmbH | Tragwerksplaner: CN Europlan GmbH
Ein Wedeler Reihenhaus der 1960er-Jahre — ein massiver Mauerwerksbau mit Keller, der im Laufe seiner Nutzungsdauer mehrfach erweitert und verändert wurde — wurde einer Tragwerksumnutzung und -veränderung unterzogen. Die über sechs Jahrzehnte angesammelten Umbauten bedeuteten, dass das tatsächliche Tragwerksystem und die Lastpfade aus keinem einzigen Plansatz herauslesbar waren; Bestandsaufnahme und Bewertung waren Voraussetzung für die Planung.
Der Umbau erforderte die Entfernung mehrerer Erdgeschosswände und die Schaffung offener Grundrisse, für die das ursprüngliche Tragwerk nicht ausgelegt war. Wandentfernung in einem Bestandsgebäude ist ein Lastpfadeingriff: Die bisher von den entfernten Wänden getragenen Lasten müssen über neue Träger, Stützen oder angrenzendes Tragwerk umgeleitet werden, und der gesamte überarbeitete Lastpfad — von Dach bis Gründung — muss nachgewiesen werden. Ein Stahlrahmen wurde im Erdgeschoss eingebaut, um die umgeleiteten Lasten aufzunehmen. Die Dachkonstruktion wurde ebenfalls im Rahmen des Programms verändert.
Das Gebäude wurde nach den Tragwerksveränderungen auf globale Horizontalstabilität nachgerechnet — der Verlust von Wandfläche im Erdgeschoss verändert die seitliche Steifigkeit des Gebäudes, und der neue Stahlrahmen wurde in die Stabilitätsbewertung einbezogen.
Die vollständige Tragwerksplanung von LP1 bis LP5 wurde zusammen mit bauphysikalischen Berechnungen erbracht — ein kombinierter Leistungsumfang, der sowohl konstruktive als auch wärmeschutztechnische Anforderungen innerhalb der Randbedingungen eines Bestandsgebäudes mit denkmaladjazentem Charakter löste.
Kernaussagen
- Wandentfernung als Tragwerksplanungsaufgabe, nicht als Entscheidung des Bauunternehmers: Erdgeschossige Wandentfernung in einem massiven Mauerwerksbau erfordert eine vollständige Lastpfadverifikation von Dach bis Gründung. Der neue Stahlrahmen im Erdgeschoss war kein Standarddetail — er war ein zweckgebundener struktureller Eingriff, dimensioniert auf die spezifischen Lasten dieses Gebäudes.
- BIM-gestützte Planung für ein kleines Bestandsgebäude: Die Erstellung eines BIM-Modells für ein 250 m² Reihenhaus — bei dem jedes Maß der Bestandskonstruktion eine gemessene Größe ist — liefert die geometrische Grundlage für eine präzise LP5-Dokumentation und vermeidet die Lageabweichungen, die Tragwerksveränderungen belasten, wenn Pläne und Realität divergieren.
- Globale Stabilitätsnachrechnung nach Umbau: Die Entfernung von Mauerwerkswänden reduziert die Seitensteifigkeit. Der Nachweis, dass das veränderte Gebäude die Stabilitätsanforderungen weiterhin erfüllt — mit dem neuen Stahlrahmen als Beitrag zum Aussteifungssystem — ist eine unumgängliche Tragwerksaufgabe, die bei kleinen Wohnumbauten häufig übergangen wird.
- LP1–LP5 mit Bauphysik als integrierter Leistungsumfang: Tragwerksplanung und Bauphysik aus demselben Büro bei einem 250 m² Projekt stellen sicher, dass Dämm- und Wärmebrückenentscheidungen unter Berücksichtigung der Tragwerksbedingungen getroffen werden — der Übergang zwischen neuem Stahlrahmen und vorhandenem Mauerwerk ist gleichzeitig ein Tragwerksanschluss und eine Wärmebrücke, die berechnet werden muss.